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Hermann Hans-Joachim (Jochen) Henckert wurde am 05.Juni 1906 in Rehoboth
im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika geboren als Jüngster von 4 Brüdern.
Er besuchte die Kaiserliche Realschule in Windhoek,
wo er auch den Einmarsch der südafrikanischen Truppen 1915 miterlebte.
Schon früh war seine ganze Leidenschaft die
Kunstmalerei. Von diesen Werken seiner frühesten Jugend sind noch einige
erhalten.
Seine Mutter, die viele Größen der damaligen
Kunstwelt kannte, schrieb und übersandte einem Professor der
Kunstakademie München einige seiner Skizzen, worauf er die
Studienzulassung erhielt. Er blieb dort jedoch nicht lange, da der Stil
ihm schon damals zu progressiv war.
Im Jahre 1923 absolvierte er sein Praktikum an der
Germania-Werft in Kiel, vor der Aufnahme des Ingenieurstudiums. An
Vormittagen wohnte er Lesungen an der Technischen Fakultät Berlin bei. An
Nachmittagen erhielt er Kunstunterricht yom berühmten Afrika-Maler,
Professor Wilhelm Kuhnert, von dem er lernte, zu "sehen", statt
zu schauen, um die Natur wiederzugeben, wie sie wahrlich ist. Dieses
setzte auch ein ausführliches Studium der alten Meister voraus.
Er entwickelte seinen eigenen einmaligen
klassischen Stil, Landschaften und Tiere realistisch und lebensnah
darzustellen. Dieses konnte er nur, da er ein sensorisches Gefühl für
atmosphärische Bedingungen hatte. Er malte in Öl auf der rauhen Seite
van Hardboard (Preßpappe). Bevor er die äußerlichen Formen darstellte,
suchte er die Balance zwischen den Elementen. Diese wurden akribisch genau
und feinstens ausgemalt, sodaß jedes Kunstwerk ein Meisterwerk wurde.
Im Jahre 1940 wurde er in Andalusia (Südafrika)
interniert, dann jedoch nach Swakopmund zum Betreiben des dortigen
Elektrizitätswerkes verlegt, wo er die Kriegsjahre im Stadtgebiet
interniert verbringen mußte.
Seine erste Ehe, aus der vier Kinder hervorgingen,
ging in dieser Zeit in die Brüche. Dort lernte er seine Frau Beate kennen
und lieben, die er am 11.Dezember 1944 ehelichte. Aus dieser zweiten Ehe
gingen drei Kinder hervor. Nach dem Kriege siedelte er mit Familie zurück
auf eine Farm im Rehoboth -Bezirk. Tiefe Wurzeln und schriftliche
Geburtsrechte des Baster-Führers Herman van Wyk schützten ihn jedoch
nicht, und er wurde gezwungen, seine Existenz in einem "Farbigengebiet"
("Homeland") wegen der damaligen Apartheids-Gesetze aufzugeben.
Gegen Ende des Jahres 1958 siedelte er mit seiner Familie nach Karibib
über.
Es folgten harte Jahre, wo er sich bei
weltwirtschaftlich schlechten Zeiten und niedrigen Erzpreisen mit dem
Bergbau durchschlug. Er hatte in dieser Zeit wenig Gelegenheit, zu malen,
deshalb entstanden im Zeitraum Ende der fünfziger bis Anfang der
siebziger Jahre nur wenige Gemälde.
Als sein Sohn Hartmuth das Erzgeschäft übernahm,
konnte er sich mehr auf die Malerei konzentrieren, die ihn über die
Grenzen Namibias hinaus bis nach Europa bekannt machte, wohin auch eine
größere Anzahl seiner Meisterwerke verkauft wurden.
Diese Erfolge kamen zustande trotz vieler
Aktivitäten gegen ihn durch sogenannte progressive Kunstkreise des
ehemaligen Südwestafrika.
Obwohl er in den vergangenen Jahren einige
gesundheitliche Rückschläge erleiden mußte, blieb er in seiner Haltung
stets positiv, in der tiefen Überzeugung, daß eine Allmacht hinter allem
steht, die einen lenkt, und nur sie bestimmt, was aus dem Schicksal eines
jeden Menschen wird.
Während dieser Jahre war er oft zeitens des
afrikanischen Winters in Europa, und konnte den Kontinent von Norden bis
Süden bereisen, welches ihm stets viel Freude bereitete. Ihn
interessierten die Städte und Bauwerke weniger, als Kunstmuseen mit
Werken der Alten Meister, und als wichtigstes, die schöne Natur, wie Gott
sie geschaffen hat.
Auch dort erhielt er vor fast zwei Jahren die
erforderliche ärztliche Hilfe für sein Kreislaufleiden, durch die er
fortan fast beschwerdefrei leben, und die produktivsten künstlerischen
Jahre seines Lebens bis zu seinem plötzlichen Dahinscheiden nach kurzem
Leiden und nach einer schweren Operation mit 85 Jahren, verbringen konnte.
Seine Lebensthemen waren stets das Göttliche und
die Natur. Er studierte die Bibel und Werke vieler Philosophen, seine
ganze Liebe galt der Malerei und der Familie, in die er bis zuletzt als
absoluter Mittelpunkt integriert war.
Er entschlief am Morgen des 17. Januar 1992 in
Windhuk, Namibia.
(Nachruf aus "Allgemeine
Zeitung" vom 21.02.1992) |